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Für eine Kirche "mit menschlichem Gesicht" plädierte Dekan Thomas Gottschall in seiner ersten Eröffnungsansprache vor der Bündner Synode. In den kommenden fünf Tagen beraten sich die versammelten Pfarr

Der Himmel donnerte und es hagelte in Kübeln, als sich die rund hundert amtierenden Pfarrerinnen und Pfarrer des Kantons zur Synode in Arosa trafen. In der trockenen Dorfkirche begrüssten sie Kirchgemeindepräsident Fritz Boner und ein Schülerchor der 1. bis 6. Klasse. Für den 45-jährigen Pfarrer Thomas Gottschall ist es die erste Synode, die er als Dekan präsidiert. Dementsprechend bezeichnete seine Eröffnungsansprache als "Visitenkarte".

Grundsatzreferat zur Kirche
Wer nun allerdings eine Auseinandersetzung mit aktuellen kirchenpolitischen Fragen erwartet hatte, etwa dem Religionsunterricht oder der anstehenden Verfassungsrevision, wurde vertröstet. Es sei verfrüht über diese Themen zu sprechen, meinte Gottschall. Stattdessen unternahm er eine grundsätzliche Klärung zum Thema Kirche.
Grundlegende Ressource der Kirche seien Menschen. "Wir erheben für uns keine Besitzansprüche", sagte Thomas Gottschall, "wir distanzieren uns von Manipulationen und Machtansprüchen im Namen des Heiligen". Die reformierte Kirche verstünde sich nicht "letztinstanzlich", sie wisse, dass Erkennen Stückwerk sei. Deshalb bestehe die Kirche darauf, dass ihre Theologen universitär und wissenschaftlich ausgebildet werden, dass Theologie offen und diskutierbar sei.
Die Welt sei heute zu einem riesigen globalisierten Marktplatz geworden, meinte Thomas Gottschall. Aufgabe der Kirche sei es, die Qualitäten der Wüste zu thematisieren: Den Ort der persönlichen Besinnung und Ruhe. Die Kirche müsse dabei nicht zu allem Ja und Amen sagen, sondern, mit den Worten des deutschen Kabarettisten Hans-Dieter Hüsch, auch manchmal "Nein und Halleluja".

Zürcher Bibel neu übersetzt
Drei Tage vor der offiziellen Präsentation im Zürcher Grossmünster präsentierte der Zürcher Kirchenratspräsident Ruedi Reich die neue Übersetzung der Zürcher Bibel. 1531 erschien die erste deutschsprachige Gesamtübersetzung der Bibel, übersetzt von Huldrych Zwingli. Im Vergleich zu Luthers Übersetzung war sie nüchtern und sehr textnah: "Ein Schweizer bin ich und den Schweizern bezeuge ich Christus", soll Zwingli gesagt haben.
Die jetzt präsentierte Übersetzung entstand nach über zwanzigjähriger Übersetzungsarbeit in Zürich. Nah am Urtext solle auch diese Bibelübersetzung sein, betonte Ruedi Reich. Sie sei eine Absage an den derzeitigen Trend, für verschiedene Benützergruppen verschiedene Übersetzungen herzustellen. "Im Zweifelsfall gibt die Zürcher Bibel die Fremdheit des Textes wieder", meinte Rudi Reich. Man müsse in Übersetzungen nicht so tun, "als ob man nach zweitausend Jahren mal eben mit Jesaja Mittagessen ginge".
Anschliessend konstituierte sich die Synode. Sie hörte Lebenslauf und Predigt von zwei bewerbenden Pfarrerinnen und traf sich am Abend zu Sitzungen der drei synodalen Fraktionen.