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Nicht erst seit der Minarett-Initiative geben die Bauten "fremder" Religionsgemeinschaften zu reden. Die Ausstellung "Kuppel-Tempel-Minarett" dokumentiert Emotionen und Bauten. Sie ist ab morgen in St. Moritz, später in Landquart und Cazis zu sehen.

Wenn Religionen wandern, wandern auch ihre Gotteshäuser. Wenn heute 20 000 Buddhisten, 50 000 Hindus, 130 000 Orthodoxe und 400 000 Muslime in der Schweiz leben, dann verändern das die Dorfbilder. Noch haben orthodoxe Kirchen, buddhistische Tempel oder islamische Moscheen zwar Seltenheitswert, aber da und dort setzen sie bereits neue Akzente im Dorf- oder Stadtbild. Das mag befremden oder erfreuen – kalt lässt es keinen.

Immer schon Emotionen geweckt
Das war schon so, als sich vor hundert Jahren Reformierte in katholischen und Katholiken in reformierten Gebieten ihren eigenen Kirchturm ertrotzten. Das war so in den Fünfzigerjahren, als die Mormonen in Zollikofen BE ihren gross dimensionierten Tempel samt nachts beleuchtetem Turm planten. Damals versuchte die reformierte Landeskirche, den Sakralbau des fremden, US-amerikanisch geprägten Kults via Einsprache zu verhindern. Vergeblich.

Aber das war nicht so, als 1963 der damalige Zürcher Stadtpräsident Emil Landolt das erste Minarett der Schweiz als Zeichen für den «weltoffenen und liberalen Charakter» der Stadt preiste. Das zeigt: Wenn potente lokale Fürsprecher ein Projekt fördern, hat es dieses leichter.

So auch das Tibet-Kloster in Rikon ZH, dem die Gebrüder Kuhn der gleichnamigen Kochgeschirrfirma Pate standen. Projektfördernd kann auch sein, wenn lokales Handwerk beim Bau zum Zug kommt, etwa beim Sikh-Tempel in Langenthal. Oder wenn die ausländischen Geldgeber einen guten Ruf geniessen, die thailändische Königsmutter beispielsweise, die den buddhistischen Thai-Tempel im solothurnischen Gretzenbach mitfinanzierte. Bleibt die Geldquelle dagegen im Halbdunkeln, erregt dies Argwohn: ein Grund, wieso das Minarett in Wangen SO einen vierjährigen Rechtsstreit auslöste.

Achtzehn Baugeschichten dokumentiert
Diese und achtzehn weitere Baugeschichten von Gotteshäusern, die Zuwanderer nach dem Zweiten Weltkrieg in der Schweiz errichteten, dokumentiert die Wanderausstellung «Kuppel-Tempel-Minarett» des Zentrums für Religionsforschung der Universität Luzern (www.religionenschweiz.ch/bauten). Sie zeigt, dass es in der Schweiz weit mehr markante Religionsbauten gibt als die drei Minarette, die nun rund um die Diskussion über die Minarettverbots-Initiative im Brennpunkt stehen.

Ausstellungstermine
Die Ausstellung ist zu sehen: 5.-13.10.2009, Dorfkirche St. Moritz, 10.00-17.00 Uhr.
16.-23.10.2009, Kirche Landquart, 17.00-20.00 Uhr. 24.-31.10.2009, Steinkirche Cazis,